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27. Oktober 2011

Neuer Fahrplan der Vogelsbergbahn: Kein großer Wurf


Pro Bahn & Bus: Neuer Vogelsbergbahnfahrplan bietet zwar einige Neuerungen, jedoch viele Enttäuschungen und Verschlechterungen

Lauterbach (pbb) Mit Spannung wurde das neue Fahrplankonzept für die Vogelsbergbahn Gießen – Alsfeld – Lauterbach – Fulda vom RMV angekündigt. Die nun präsentierten Fahrplandaten sind mehr als ernüchternd: Verbesserungen im Angebot und in den Anschlussbeziehungen finden fast ausschließlich im Streckenabschnitt Alsfeld – Gießen statt. Hier wird täglicher neu ein abendlicher Zug von Gießen (ab 22.09 Uhr) nach Alsfeld (an 23.11 Uhr) gefahren. In der Gegenrichtung fährt weiterhin um 19.19 Uhr der letzte Zug von Alsfeld nach Gießen, obgleich die Strecke nunmehr bis nach 23 Uhr besetzt ist. Ein späterer durchgängiger Zug von Fulda nach Gießen könnte deshalb problemlos gefahren werden.

Stattdessen erhält der letzte wochentägliche Zug von Fulda (ab 20.34 Uhr) nach Alsfeld (an  21.13 Uhr) einen Schienenersatzverkehrsanschluss per Bus um 21.16 Uhr ab Alsfeld weiter nach Gießen (an 22.27 Uhr). „Diese Leistung könnte ohne Aufwand auf der Schiene gefahren werden und sollte eigentlich täglich angeboten werden,“ stellt Michael Kolb vom Fahrgastverband Pro Bahn & Bus enttäuscht fest.

Im Abschnitt Fulda – Lauterbach – Alsfeld bleibt die Anschlussverbindung zum/vom Regionalexpress (RE) ins Rhein-Main-Gebiet so katastrophal schlecht wie bisher. Außer im Berufsverkehr sind Übergangszeiten vom RE aus Frankfurt zur Vogelsbergbahn von 46 Minuten die Regel (Ankunft zur Minute 48, Weiterfahrt zur Minute 34). In umgekehrter Richtung sieht es ebenso schlecht aus: Vogelsbergbahn Ankunft Fulda zur Minute 28, Abfahrt RE Richtung Frankfurt zur Minute 08 (40 Minuten Übergang). Von Anschlüssen kann hier keine Rede sein. Ähnlich schlecht sind die Anschlussbeziehungen zur Rhönbahn nach Gersfeld.

„Da fragt man sich, wofür Millionen in die Ertüchtigung der 106 Kilometer langen Vogelsbergbahn geflossen sind, wenn die Fahrzeiten 2011 länger wie zum Beispiel im Jahr 1991 sind,“ stellt Michael Kolb von Pro Bahn & Bus ernüchternd fest. Im neuen Fahrplan braucht die beschleunigte Regionalbahn von Fulda nach Gießen zwischen 1 Stunde und 44 Minuten bis 2 Stunden 13 Minuten. Bisher brauchte der Regionalexpresszüge 1 Stunde und 40 Minuten – im Jahr 1991 brauchte dieser gar nur 1 Stunde und 31 Minuten (!). Wenn dann der RMV die Schließung der Bahnhalte Renzendorf und Wallenrod damit begründet, dass nur so die Fahrzeiten beschleunigt und das Gesamtangebot verbessert werden konnte, dann klingt dies wie eine Farce.

Was nützen neue und moderne Fahrzeuge, wenn das Fahrplanangebot nicht stimmig ist? Keine Angebotsausweitung in den Tagesrandlagen im Abschnitt Fulda – Lauterbach – Alsfeld, lediglich ein seit Jahren geforderter Samstagabendzug um 20.34 Uhr, der nun auch sonn- und feiertags fährt,  wird endlich realisiert. Ein zusätzlicher Zug fährt um 12.58 Uhr ab Fulda, welcher nur an Schultagen verkehrt. Diese Verbindung, die es vor ein paar Jahren bereits schon einmal gab, verkehrte damals jedoch auch an schulfreien Tagen.

Dafür entfällt im Berufsverkehr der Zug um 16.05 Uhr ab Fulda. Das war es, abgesehen von der stündlichen Verdichtung in den Vormittagsstunden, die vor einigen Jahren gestrichen und nun wieder gefahren werden. Dafür beginnt nunmehr der Zugverkehr auf der Strecke Gießen-Fulda samstags morgens gut eine halbe Stunde später wie bisher. Und während die Fahrgäste bislang samstags mit dem ersten durchgängigen Zug von Fulda bereits um 8.05 Uhr in Gießen waren, sind sie künftig erst um 9.15 Uhr am Ziel. In der Gegenrichtung (Gießen-Fulda) erreicht der erste durchgängige Samstagzug Fulda künftig erst um 9.28 Uhr, bisher 8.25 Uhr.

Deutlich schlechter auch die letzten durchgängigen Verbindungen an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen: bisher fuhr der letzte Zug um 19.10 Uhr ab Fulda nach Gießen, künftig bereits um 18.34 Uhr. Auch aus dem oft propagierten täglichen Stundentakt ist nichts geworden. An Sonn- und Feiertagen wir nur vom 1. Mai bis Ende Oktober stündlich gefahren, jeweils drei Züge pro Fahrtrichtung fallen zwischen November und Ende April aus und sorgen für einen fahrgastunfreundlichen zweistündigen „Holper-Stolpertakt“. Kurzum: Ein großer Wurf sieht irgendwie anders aus.

Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus fordert die Verantwortlichen bei RMV und ZOV dringend auf, den Fahrplan nach zu bessern, da mit diesem Fahrplanangebot die erhofften Fahrgastzuwächse nur schwerlich zu erzielen sein dürften. Hauptforderungspunkte sind: Verbesserte Anschlusssituation in Fulda, zusätzliche abendliche Verbindungen (z.B. tägliche Durchbindung um 20.34 Uhr ab Fulda nach Gießen sowie in der Gegenrichtung) und jeweils ein Frühzug an Sonn- und Feiertagen von Alsfeld nach Gießen um 8.19 Uhr und 8.49 Uhr nach Fulda, sowie einen ganzjährigen Stundentakt, auch an Sonn- und Feiertagen, Durchbindung von einzelnen Zügen der Relation Gießen – Alsfeld von/bis nach Lauterbach.
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