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02.12.07

Pro Bahn & Bus zum Fahrplanwechsel am 9.12. in Mittelhessen

Neigetechnik auf der Lahntalbahn bleibt weiter ausgeschaltet


Trotz der Ankündigung der Deutschen Bahn AG, die Regionalexpress-Triebwagen der Baureihe 612 nach und nach zu sanieren und die Neigetechnik wieder in Betrieb zu nehmen, verkehren die Züge auf der Lahntalbahn auch im Fahrplanjahr 2007/2008 weiter im konventionellen Betrieb. Die Regionalexpress-Züge benötigen damit für die Strecke Gießen - Koblenz 1 Stunde 47 Minuten statt der mit Neigetechnik möglichen Fahrzeit von 1 Stunde 36 Minuten.

Für den hessischen Fahrgastverband Pro Bahn & Bus stellt der jahrelange Ausfall der Neigetechnik einen Skandal dar, denn in die Ertüchtigung der Strecke sind erhebliche öffentliche Mittel geflossen. Zur Inbetriebnahme der Neigetechnik im Dezember 1997 wurden Signale versetzt, damit die schnelleren Züge mit ihrem verlängerten Bremsweg vor Halt zeigenden Signalen anhalten können. Außerdem mussten einige Bogengleise umgebaut werden. Die Investition betrug ca. 30 Millionen DM. Öffentliche Mittel flossen beispielsweise in die Anpassung von Bahnübergangssteuerungen an die höheren Geschwindigkeiten. Und auch die 2004 erfolgte Sanierung der Gleise wurde überwiegend mit den Erfordernissen des Neigetechnikbetriebes begründet. 180 Kilometer Gleis waren mit einem Aufwand von 60 Millionen Euro erneuert worden. Die Deutsche Bahn dürfte dafür in erheblichem Maß auf Bundesmittel zurückgegriffen haben.

Verschuldet sind die permanenten Ausfälle der Neigetechnik durch Fehler der Fahrzeugindustrie. Die angelaufene Fahrzeugsanierung erfolgt jedoch in Regie der Deutschen Bahn AG, so dass der Konzern auch Einfluss auf den Zeitplan hat.

Rückblick: Neigetechnik auf der Lahntalbahn

Am 11. September 1993 fand eine erste Testfahrt mit geladenen Fahrgästen an Bord statt. Zum Einsatz kam die Baureihe 610, seinerzeit das einzige Fahrzeug im Bestand der damaligen Deutschen Bundesbahn mit Neigetechnik.

Schon einige Jahre zuvor hatten sich Gutachten mit der Frage beschäftigt, wie die kurvenreiche Strecke schneller befahren und damit attraktiver gestaltet werden kann. Die schnellere Lahntalbahn sollte insbesondere der Stadt Koblenz einen Anschluss an das Schnellfahrnetz der Deutschen Bahn bringen, denn in dieser Zeit fiel die Entscheidung, die Schnellfahrstrecke Frankfurt - Köln über Limburg und damit rund 50 Kilometer an der Mittelrheinstadt vorbei zu bauen. Sowohl die Schnellfahrstrecke als auch die verbesserte Lahntalbahn kamen. Es mangelt jedoch bis heute an einem Verknüpfungspunkt beider Strecken in Limburg: Die Bahnhöfe Limburg und Limburg Süd (ICE) sind nur durch Busse miteinander verbunden.

In Betrieb genommen wurde die Neigetechnik im Dezember 1997. Die Freude über die schnelle Fahrt entlang der Lahn währte nur kurz, denn die 50 neu gelieferten Triebwagen der Baureihe 611 waren von Pannen geplagt. Kurze Episoden mit Neigetechnik und monatelange "Ersatzfahrpläne" mit konventionellen Fahrzeugen wechselten sich ab. Auch die Nachfolgebaureihe 612 bewährte sich im Neigetechnikbetrieb nicht. Hier wurde vom zuständigen Eisenbahn-Bundesamt sogar ein Sicherheitsrisiko ermittelt. In der Folge müssen die Radsätze verstärkt und häufiger kontrolliert werden.

Prinzipiell ist die Technik geeignet, die Fahrzeiten auf kurvenreichen Strecken um etwa 20 Prozent zu kürzen. Auf der Lahntalbahn waren es immerhin ca. 17 Prozent - wenn die Technik funktionierte.

Kontakt: Friedrich Lang, Tel. 06441 449741
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