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28.10.08

Fahrgäste fordern Ausbauprogramm "Pünktliches Hessen"


Der hessische Fahrgastverband Pro Bahn & Bus kritisiert den niedrigen Stellenwert von Bahn- und Busprojekten in der hessischen Verkehrspolitik. Die amtierende Landesregierung setzt mit ihrem Programm "staufreies Hessen" ganz auf den Straßenverkehr. Die steigende Zahl an Fahrgästen im Nahverkehr kann dagegen nur in wenigen Regionen des Landes mit Verbesserungen rechnen. Am Beispiel der zentral durch Hessen verlaufenden Main-Weser-Bahn Frankfurt - Gießen - Kassel macht der Verband deutlich, wo es im hessischen Nahverkehr klemmt:

- Der viergleisige Ausbau zwischen Frankfurt und Bad Vilbel ist seit Jahren beschlossene Sache, wegen Anwohnerklagen und Änderungswünschen seitens der Stadt Frankfurt kommt er aber nicht voran. Notwendig ist darüber hinaus eine eigene S-Bahntrasse auch zwischen Bad Vilbel und Friedberg. Doch dafür gibt es trotz politischer Unterstützung in der Region noch keinen Beschluss. So gehört die "S6" nach Friedberg nach wie vor zu den verspätungsanfälligsten Nahverkehrsachsen im Land.

- Bahnhof Friedberg: Die Kreisstadt des Wetteraukreises ist Schnittpunkt von sechs Schienenstrecken. Die Infrastruktur wird den Bedürfnissen jedoch nicht gerecht: Keine Aufzüge, teils marode Bahnsteige, ein renovierungsbedürftiges Bahnhofsgebäude. Auf den abzweigenden Regionalbahnstrecken Richtung Hanau, Nidda und Wölfersheim wird bereits früh am Abend der Verkehr eingestellt, nach Hanau fahren sonntags gar keine Züge.

- In Bad Nauheim und Gießen werden derzeit die Bahnsteige saniert. Eine Ausnahme in Hessen, wie schon ein Blick ins benachbarte Marburg zeigt. In der bedeutenden Universitätsstadt gibt es keine behindertengerechten Bahnsteige - nur langjährige Planungen dafür…

- In Gießen warten umsteigende Fahrgäste aus Wetzlar Richtung Marburg und umgekehrt 25 Minuten und länger auf ihren Anschlusszug. Ein "Integraler Taktfahrplan" mit kurzen Umsteigezeiten, leicht merkbaren Abfahrzeiten ab den großen Bahnhöfen und garantierten Anschlüssen ist in Hessen eher die Ausnahme als die Regel.

- Ebenfalls in Gießen warten an einem Sonntag 20 Radlerinnen und Radler auf die Lahntalbahn nach Limburg und bangen, ob sie mitgenommen werden oder nicht. Denn obwohl die Nachfrage im Freizeitverkehr markant gestiegen ist, werden Triebwagen mit zu wenigen Stellplätzen eingesetzt.

- Im mittelhessischen Lollar zweigt die Lumdatalbahn von der Main-Weser-Bahn ab. 1981 fuhr der bislang letzte Personenzug. Gutachten versprechen der reaktivierten Strecke im Umfeld der Universitätsstadt Gießen 4000 Fahrgäste pro Werktag. Die Strecke ist intakt und wird von engagierten Bürgern gepflegt. Läge die Lumdatalbahn im schienenfreundlichen Rheinland-Pfalz, so würden längst wieder Züge rollen. Auch Hungen und die Ederseeregion könnten von der zentralen Main-Weser-Bahn aus wieder erreichbar sein, wenn die hessische Verkehrspolitik mitspielte.

- Nördlich von Marburg liegen kleine Haltepunkte wie Bürgeln oder Anzefahr, deren Bahnsteige so niedrig sind, dass besonders ältere Fahrgäste einen Knöchelbruch beim Ausstieg riskieren. Die Modernisierung von Bahnsteigen und ganzen Bahnhöfen lässt in Hessen auf sich warten wie in kaum einem anderen Bundesland. Dennoch fahren auch von diesen kleinen Stationen Pendler jeden Tag ins Rhein-Main-Gebiet bzw. an andere Arbeitsplatzschwerpunkte und zahlen regelmäßig steigende Tarife.

- Ab Treysa fährt die Regiotram zunächst auf Bahngleisen, dann auf Straßenbahnstrecken ins Herz von Kassel. Eine innovative Idee, die nicht in Kassel erfunden, aber doch erheblich weiterentwickelt wurde. Leider ist die Regiotram die einzige Anwendung einer Regional-Stadtbahn nach Karlsruher Vorbild in Hessen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden setzt ausschließlich auf Dieselbusse, ganz so, als gäbe es keinerlei Umweltprobleme in dieser Region. Dabei führen die ungenutzten Schienen der Aartalbahn von den attraktiven Wohnorten im Taunus bis vor die Tore der Stadt. Der Lückenschluss ins Zentrum könnte als neue Straßenbahn kommen - Wiesbaden würde gleichziehen mit Nizza, Montpellier, Bordeaux…

Pro Bahn & Bus fordert daher ein Programm "Pünktliches Hessen" mit dem Ziel, durch gezielte Investitionen in Strecken und Knoten der steigenden Nachfrage im hessischen Nahverkehr gerecht zu werden. Viele Stationen bedürfen der gründlichen Modernisierung. Der Großknoten Frankfurt wartet seit Jahren auf die versprochenen Baumaßnahmen zur Leistungssteigerung. Wiesbaden, Hanau und Offenbach benötigen wieder innenstädtische Schienenstrecken. Die "Regionaltangente West" als Ergänzung bestehender Bahnlinien zwischen Bad Homburg, Frankfurt-Höchst, dem Frankfurter Flughafen und Neu Isenburg ist ebenso zu verwirklichen wie die "Wallauer Spange" zwischen Wiesbaden und dem Flughafen Frankfurt. Etwa ein halbes Dutzend vorhandener Regionalbahnstrecken, insbesondere in Nord- und Mittelhessen, lässt sich darüber hinaus problemlos und schnell reaktivieren - mit hohem Nutzen für die Regionen.

Die hessische Landespolitik muss zum Ziel haben, sich als zentrales Bundesland in Sachen Nahverkehr mit den umliegenden Ländern, insbesondere Rheinland-Pfalz, messen lassen zu können.

Kontakt / Verantwortlich:

Christian Behrendt Ressort Fahrplan + Netz im hessischen Fahrgastverband Pro Bahn & Bus e.V.
Mobil-Tel. 0172 636 066 1

Wolfgang Klapdor Vorsitzender
Mobil-Tel. 0177 788 118 2
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